So war 2017 für uns.

Über originelles Webdesign, technische Raffinessen und Ambidexterität

2018 ist da. Zeit, nochmal kurz zurück zu blicken auf ein sehr positives Jahr 2017 für das Projektbüro und für mich. Positiv, weil am Ende alles gut ist, wo am Anfang noch vieles unklar war.

Ins Jahr 2017 gestartet bin ich mit einigen Fragen über die abnehmende Bedeutung der Corporate Website. Welche Bedeutung hat sie noch für unsere Kunden? Was können wir hier noch neu und besser machen? Haben wir nicht alles schon gesehen? Tolles Design, gute Konzeption, Content Marketing, raffinierte technische Umsetzungen (Frontend , Backend, Systemarchitektur, Informationsarchitektur). Gerade der letzte Aspekt ist bestens geeignet, um sich abzuheben und ins Gespräch zu kommen. Aber die technische Umsetzung ist es auch, die große Teile des Budgets verschlingt. Und irgendwann kippt das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen eines Online-Formats, das erstmal hauptsächlich dem Image dient anstatt direkt Geld einzubringen.

In Jurysitzungen, z.B. beim ddc und dem Annual Multimedia dachte ich oft, hübsche Website, aber wirklich originell oder herausragend ist sie nicht. Das Design ist immer responsive, Quadrate und Raster der Seiten sorgen für Ähnlichkeiten bis hin zur Austauschbarkeit. Diese Art der Langeweile hatte ich nicht im Kopf, als ich die Agentur gründete. Wir müssen wieder in eine kreativere Ausrichtung kommen, andere Konzepte als Antwort auf dieselben Fragen entwicklen und aus einer gewöhnlichen Anfrage ein besonderes Projekt auf besondere Weise machen. Auch beim Support schnell reagieren und über den Tellerrand hinausdenken. Für besseren Content und gute Workflows sorgen. Aber wie?

Beim AgenturCamp im Sommer stellte ich fest, dass es einigen Kolleginnen und Kollegen ähnlich geht. Es fehlt uns das Pionierartige, das Neue, die aufregende Aufgabe. Und alle suchen für ihre Büros nach einer Organisationsform, die das möglich macht.

Rückblickend kann ich sagen, es dreht sich natürlich einiges um die eigene Einstellung und Phantasie. Wollen wir eine Rinderfarm betreiben, in der es um die möglichst effiziente Produktion der selben Ware geht? Die Marge ist nicht besonders groß, deshalb darf möglichst wenig schief gehen. Standard ist wichtig, also ausgetretene Pfade und wenig Neuland. Oder wollen wir Fabelwesen züchten? Mit Phantasie geschaffene Wesen, die faszinierende, magische Unikate sind. Nun, es geht um beides: Zu einem gewissen Maße standardisierte Qualität, die wir individuell, sicher und geübt liefern, und kreatives Neuland, innovative Projekte, bei denen wir am Anfang das Endergebnis noch nicht kennen.

In einer Serie von Workshops mit Florian Goldberg haben wir unter anderem über Organisationale Ambidextrie gesprochen. Sie beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, gleichzeitig effizient und flexibel zu sein. Ambidextrie (von lateinisch ambo «beide» und dexter «rechte Hand»)  bedeutet vom Wortursprung somit Beidhändigkeit und soll im Rahmen der organisationalen Ambidextrie die Wichtigkeit der Integration von Exploitation (Ausnutzung von Bestehendem) und Exploration (Erkundung von Neuem) verdeutlichen. Das gilt es unter einen Hut zu bekommen, in den einzelnen Projekten und in der Organisation selbst. Damit haben wir 2017 begonnen und machen 2018 weiter. Dank der Workshopserie verändern wir uns, das Team und unsere Arbeitsweise gerade. Stellen wieder mehr Fragen zu Beginn und im Projektverlauf, entwickeln keine Projekte, deren Sinn uns nicht klar ist und passen die Aufgabenstellungen an, oder lassen das Projekt bleiben. Lieber gehen wir einen Teilbereich der Website an, statt einen faulen Kompromiss einzugehen. Lieber konzipieren und gestalten wir wieder ein individuelles, phantasievolles Teil-Projekt, statt eine der Ganz-Okay-Websites zu realisieren.

Für 2018 heißt das, liebe Kundinnen und Kunden, dass wir mehr reden, fragen und diskutieren werden. Mit dem Versprechen, dass das Ergebnis besser wird, als wenn wir es nur abarbeiten. Wir werden wieder stärker zum strategischen Kreativpartner in jeder Hinsicht, statt nur die Werkbank zu sein. Und hoffentlich werden die Resultate mit Awards prämiert. Wir arbeiten mit Mitarbeiter/innen, die mitdenken und nicht mit dem Status-Quo zufrieden sind. Die besser werden wollen und nach dem besseren Ergebnis suchen; für unsere Projekte und unser Projektbüro. Dafür haben wir in 2017 hart gerungen und sind startklar für das neue Jahr. Danke an das gesamte Team, dass ihr dabei seid. Danke an alle unsere Kunden, die an uns glauben und uns mit Projekten (Projekte 2017) und Input unterstützen. Tschüß 2017, es war uns eine Freude.

Auch interessant

CLOSE
close